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Eine(Hör-) Buchempfehlung, vor allem eine Dankbarkeit mich in meiner Arbeit bestätigt zu fühlen Von Wölfen und Bären

Schon vor vielen Monaten habe ich mir das Buch: Von Wölfen und Bären, von Verena Karl und Eduard Sedzakov

Gekauft, bin jedoch nicht dazu gekommen, es zu lesen.

Im Nachhinein schade, denn ich hätte mich schon viel früher in meiner Arbeit als Autismus Therapeutin derart berührt, gesehen und verstanden gefühlt.

Wie bereits in meinen letzten Blogposts beschrieben, arbeite ich auch als Autismus Therapeutin.

Ich arbeite nicht mit TEACCH oder anderen erforschten Ansätzen. Ja, ich lasse, wenn nötig Elemente aus verschiedenen therapeutischen Ansätzen einfließen. Doch ein festes derartiges Konzept lasse ich nicht einfließen.

Das Buch:“Von Wölfen und Bären“ beschreibt als erstes wie die systemischen FamilientherapeutInnen früher gearbeitet haben und beschreiben, wie sie immer wieder an ihre Grenzen gekommen sind. Bzw die Familien und Kinder immer wieder an ihre Grenzen gekommen sind.

Wie sie dann immer mehr geforscht haben, um zum Menschen aus dem Autismusspektrum besser zu verstehen und besser begleiten zu können.

Das was sie für sich herausgefunden haben und wie sie die Metapher von Wölfen und Bären beschreiben berührt mich sehr.

Denn es beschreibt neurotypische und neurodiverse Menschen und ihre Eigenschaften, die alle viele individuelle „Menschlichkeiten“ mit sich bringen.

Doch grundsätzlich bekommt man ein wundervolles Verständnis davon wie die Menschen „ticken“ und was sie brauchen damit es ihnen gut geht.

Für mich sind schon immer viele dieser aufgegriffenen Themen/ Inhalte schon immer selbstverständlich gewesen. Und doch, da es viele Konzepte gibt und ich wenig im Austausch mit anderen Autismus TherapeutInnen bin, kam immer mal wieder der Gedanke, ob z.B. dem Jugendamt das was ich tu an therapeutischem Wirken ausreicht. Ob mir irgendwann doch Unprofessionalität unterstellt wird, weil ich zu wenig Konzepte nutze.

Mein größtes Konzept ist: Geduld und Zeit. Vertrauensaufbau, Ruhe, einander kennenlernen und erforschen.

Ja, das braucht oftmals viel viel Zeit, da meine KlientInnen schon viele verschiedene Erfahrungen, Beziehungsaufbau und Beziehungsabbrüche erlebt haben.

Sie müssen in allererster Linie herausfinden, wie ich ticke, ob ich ihnen wohlgesonnen bin und ob ich wirklich dabei bleibe bei dem, was ich sage. Oder ob ich doch irgendwann kippe.

Viele meiner KlientInnen sind jetzt durchschnittlich im 2. Jahr bei mir und es ist spürbar, dass JETZT die Arbeit richtig los geht. Bis jetzt habe ich zwar mit allen bereits Themen angegangen, doch nun haben sie den Mut, in die Tiefe zu gehen.Sie beginnen zu verstehen, dass ich ihnen nichts aufdrücken will, sondern mit ihnen gemeinsam herausfinden möchte, was sie vom Umfeld brauchen, um in unserer Gesellschaft besser zurecht zu kommen. Sie wagen es nun, sich zu zeigen mit allen Ecken und Kanten. Und ja, es ist anstrengend für sie, sich die Themen anzusehen und doch befreiend, weil wir beginnen für andere Menschen formulieren zu können.

 

Was mich in dem Buch besonders berührt hat, ist (nicht zitiert) folgendes:

Verhaltensauffälligkeiten/ unangemessenes Verhalten ist von neurotypischen Menschen so bewertet.

Doch eigentlich sind Verhaltensauffälligkeiten ein angemessenes Verhalten neurodiverser Menschen auf für sie unangepasste Situationen, mit denen sie ihre Hilflosigkeit/ Ohnmacht zum Ausdruck bringen.

Und es ist an uns/ allen Menschen, die mit neurodiversen Menschen arbeiten/ mit ihnen zu tun haben, ganz kleinschrittig herauszufinden, was ihnen guttut.

 

Ich liebe dies an meiner Arbeit, denn wenn das Vertrauen da ist, dann geht es so richtig los mit der Auseinandersetzung, konstruktiven Gesprächen, erarbeiten von Lösungsideen sowie der Kommunikation ins Außen.

Es ist gefühlt noch ein sehr langer Weg, bis die verschiedenen Umfelder meiner KlientInnen verstehen und umsetzen können, dass da Anpassungen stattfinden müssen, sowie ein ganz anderes Verständnis an meine KlientInnen.

Speziell in Schulen ist dies sehr schwierig, da dort natürlich sehr viele verschiedene Ansprüche der Schulen, LehrerInnen und SchülerInnen sind. Dennoch braucht es hier noch viel Verständnis und Veränderung

Ich wünsche mir, dass es viel mehr Verständnis in unserer Gesellschaft für Neurodiversität gibt und es gleichermaßen Angebote jeglicher Art gibt, die die Stärken/ Fähigkeiten und Kompetenzen aufgreifen. Denn es ist wirklich toll, was Menschen (im Allgemeinen) von sich abrufen können, wenn sie in einem für sie passenden Umfeld sind.

Danke, für dieses tolle Buch und ebenso das Hörbuch, dass mich so sehr in meiner Arbeit und Herangehensweise bestätigt!


Hier der Link zum Hörbuch:





 

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